eCMR - Frachtbrief

Der elektronische CMR-Frachtbrief – prinzipiell eine gute Sache, aber …


In einem Zusatzprotokoll zu der #CMR wurde der elektronische Frachtbrief geregelt. Dieses Zusatzprotokoll wurde von der Schweiz bereits 2011 ratifiziert und gilt in den meisten europäischen sowie vielen aussereuropäischen Staaten. Seit 2022 auch in Deutschland. Noch nicht in Kraft ist es in Italien, wo aber der Verband der italienischen Handelskammern (Unioncamere) sich stark für die Ratifizierung einsetzt. Ein Modellprojekt des Hafens von Triest gemeinsam mit Gruber Logistics und Benetton für Transporte zwischen der Türkei und Italien ist am Laufen.

Insgesamt ist das Interesse an den elektronischen Transportpapieren aber gering.

Das Hauptproblem: es gibt keine IT-Standardlösung. Transportunternehmen müssen sich mit ihren Kunden auf eines der zahlreichen Angebote privater Anbieter einigen. Dies zwingt im Extremfall dazu, dass mit mehreren Lösungen gleichzeitig gearbeitet werden muss. Im Rahmen der Verträge sind zudem diverse juristische Fallstricke zu beachten.

Helfen könnte hier möglicherweise die Schaffung einer qualitativ guten Open-Source-Anwendung.

Der Transit durch Staaten, die das CMR-Zusatzprotokoll nicht ratifiziert haben, zwingt dazu, dennoch einen Papierfrachtbrief mitzuführen. In der EU besteht zwar die Absicht, die Geltung der elektronischen Version gesetzlich vorzuschreiben, so dass auch EU-Mitgliedsstaaten, die das Zusatzprotokoll nicht ratifiziert haben, elektronische Frachtpapiere anerkennen müssten. Jedoch ist mit einer entsprechenden Verordnung erst frühestens 2026 zu rechnen.


Digitale Transformation - eCMR

In Deutschland wird an Umsetzungsregelungen gearbeitet. Indes besteht die Gefahr, dass bei Schaffung national unterschiedlicher Umsetzungsregelungen die internationale Anwendbarkeit erschwert wird. Das Problem sollte daher grenzüberschreitend und bestenfalls global angegangen werden, selbstverständlich unter starker Beteiligung des Transportsektors und seiner Interessenvertretungen. In Betracht käme etwa, neben der Schaffung einer geeigneten, niederschwellig zugänglichen und nicht zu kostenintensiven IT-Lösung, die Schaffung eines Modellgesetzes, auf das die jeweiligen Gesetzgeber zurückgreifen können.

Es bleibt zu hoffen, dass durch eine kluge Umsetzung der elektronische Frachtbrief internationale Transporte in Zukunft erleichtert und so die Kosten und den administrativen Aufwand in der Transportbranche minimiert. Dies ist besonders wichtig in Zeiten, in denen die Transportkosten, insbesondere infolge der massiv gesteigerten Preise für Treibstoffe und allgemein Energie deutlich steigen. Das Drehen an anderen Kostenschrauben ist daher auch ein nicht zu vernachlässigender Beitrag zur Verminderung der erheblichen Inflation.


#ecmr

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